
Beim Vergleich von Solarzellentechnologien konzentrieren sich die meisten auf Wirkungsgrad und Preis. Doch es gibt einen weniger offensichtlichen Unterschied, der direkt beeinflusst, wie Sie Ihre Anlage auslegen: den Temperaturkoeffizienten. HJT-Module (Heterojunction Technology) haben den besten Temperaturkoeffizienten aller kommerziell verfügbaren Siliziumtechnologien — und das verändert, wie viele Solarmodule Sie sicher in einem Strang verschalten können.
Ein niedrigerer Temperaturkoeffizient bedeutet weniger Spannungsschwankung zwischen Winter und Sommer. Das ergibt ein breiteres Betriebsfenster: Sie können mehr Module pro Strang einsetzen, ohne im Winter die maximale Eingangsspannung des Wechselrichters zu überschreiten, und bleiben gleichzeitig im Sommer oberhalb des MPPT-Minimums.
Was ist String-Dimensionierung?
HJT steht für Heterojunction Technology. Anders als herkömmliche Zellen, die nur eine Siliziumart verwenden, kombinieren HJT-Zellen zwei verschiedene Materialien: kristallines Silizium (c-Si) und amorphes Silizium (a-Si). Das Ergebnis ist ein fünfschichtiges Sandwich: vordere a-Si-Schicht → transparentes leitfähiges Oxid (TCO) → n-Typ kristalline Siliziumwafer → hintere a-Si-Schicht → hinteres TCO.
Die amorphen Siliziumschichten bieten eine hervorragende Passivierung — sie neutralisieren Defekte an der Kristalloberfläche, an denen Elektronen sonst rekombinieren und als Wärme verloren gehen würden.
Für die String-Dimensionierung ist entscheidend: HJT-Zellen halten ihre Spannung bei steigender Temperatur besser. Eine TOPCon-Zelle verliert typischerweise 0,25–0,29 % ihrer Voc pro Grad über 25°C, während eine HJT-Zelle nur 0,23–0,25 % verliert.
Warum „Heterojunction“?
Jedes Solarmodul-Datenblatt listet drei Temperaturkoeffizienten auf: einen für Voc (Leerlaufspannung), einen für Isc (Kurzschlussstrom) und einen für Pmax (Maximalleistung). Für die String-Dimensionierung ist der Voc-Temperaturkoeffizient am wichtigsten.
Spannung bei beliebiger Temperatur
V(T) = V_stc × (1 + (TcVoc / 100) × (T_cell − 25°C))Typische Werte: PERC-Module haben einen TcVoc von ca. −0,27 bis −0,30 %/°C. TOPCon verbesserte dies auf −0,24 bis −0,29 %/°C. HJT-Module führen mit −0,23 bis −0,25 %/°C.
Ein Unterschied von 0,05 %/°C klingt gering, aber multipliziert mit 45°C Temperaturschwankung und über 10 Modulen im Strang ergeben sich Dutzende Volt Differenz.
Nehmen wir ein Modul mit Voc = 49,28V bei STC (25°C). Wir berechnen die Strangspannung bei −10°C und bei 65°C Zelltemperatur für TOPCon und HJT.
Kaltspannung (−10°C, TcVoc = −0,25 %/°C, HJT)
V_cold = 49.28 × (1 + (−0.25/100) × (−10 − 25)) = 49.28 × 1.0875 = 53.59V pro ModulKaltspannung (−10°C, TcVoc = −0,29 %/°C, TOPCon)
V_cold = 49.28 × (1 + (−0.29/100) × (−10 − 25)) = 49.28 × 1.1015 = 54.28V pro ModulDer Unterschied beträgt 0,69V pro Modul. Bei 13 Modulen sind das 9V weniger Gesamtspannung bei HJT.
Auch auf der heißen Seite gewinnt HJT: Die Vmpp sinkt bei Hitze weniger. Dieser doppelte Vorteil macht HJT besonders fehlertolerant bei der String-Dimensionierung.
Alle drei Module sind ~500W-Klasse mit ähnlicher Voc, gepaart mit einem Wechselrichter mit 1000V max. DC-Spannung und MPPT-Bereich 200–800V. Min. Temperatur: −10°C, max. Zelltemperatur: 65°C.
| Parameter | PERC | TOPCon | HJT |
|---|---|---|---|
| TcVoc (%/°C) | −0,28 | −0,27 | −0,24 |
| TcPmax (%/°C) | −0,35 | −0,29 | −0,26 |
| Voc bei −10°C (pro Modul) | 54,1V | 53,9V | 53,4V |
| Vmpp bei 65°C (pro Modul) | 36,3V | 36,2V | 36,8V |
| Max. Module pro Strang (1000V) | 18 | 18 | 18 |
| Leistung bei 65°C | 86 % von STC | 88,4 % von STC | 89,6 % von STC |
| Jährliche Degradation | 0,5–0,55 %/Jahr | 0,4–0,45 %/Jahr | 0,3–0,4 %/Jahr |
HJT bietet an beiden Extremen mehr Spielraum: niedrigere Kaltspannung und höhere Warmspannung.
Wir vergleichen TOPCon vs HJT am selben Wechselrichter.
Wechselrichter: Huawei SUN2000-100KTL (max. DC: 1100V, MPPT: 200–1000V). Klima: −20°C bis +40°C. Aufdach (Zelltemp. Sommer: 71,25°C).
Voc_cold = 49.28 × 1.1305 = 55.71VMax. Module = floor(1100/55.71) = 19Vmpp_hot = 35.40V → Strang = 672.6V ✓Voc_cold = 49.28 × 1.108 = 54.60VMax. Module = floor(1100/54.60) = 20 ← ein Modul mehr!Vmpp_hot = 36.34V → Strang = 726.8V ✓HJT erlaubt 20 Module pro Strang vs. 19 bei TOPCon — 5,3 % mehr. Bei 3 Strängen sind das 1,5 kW zusätzliche Kapazität.
Bei Zelltemperaturen über 60–70°C sinkt die Vmpp deutlich. Fällt sie unter das MPPT-Minimum, verliert die Anlage Energie.
Strang-Vmpp bei Hitze
V_string_hot = N_panels × Vmpp_stc × (1 + (TcVoc/100) × (T_cell_hot − 25))HJT hält bei 70°C eine Strangspannung von 520V, während PERC auf 475V fällt. Bei MPPT-Minimum 500V ist PERC aus dem Tracking-Bereich.
In Wüstenklimaten mit 75°C+ Zelltemperatur bietet HJT mehr thermischen Spielraum.
Zelltemperatur ≠ Umgebungstemperatur
Die HJT-Technologie wurde von Panasonic entwickelt. Heute produzieren mehrere Hersteller wettbewerbsfähige HJT-Module:
Weltweit größter HJT-Hersteller, 20 GW Kapazität. Himalaya-Serie: 760W, 26,2 % Wirkungsgrad, TcPmax −0,24 %/°C.
22,6 % Wirkungsgrad, TcPmax −0,24 %/°C. In Europa und Nordamerika beliebt.
Schweizer Hersteller, HJT-Fertigung in Deutschland. Premium-Qualität mit hervorragenden Temperaturkoeffizienten.
HJT- und TOPCon-Linien. TcPmax −0,24 %/°C. Hyper-ion-HJT-Serie für Großanlagen.
HJT-Module erfordern dieselbe Methodik, aber ihre Spezifikationen bergen neue Fallstricke:
Nicht pauschal −0,27 %/°C für alle N-Typ-Module annehmen. HJT: −0,23 bis −0,25 %/°C. TOPCon: −0,25 bis −0,29 %/°C. Immer das Datenblatt prüfen.
HJT hat tendenziell höheren Isc als TOPCon gleicher Leistungsklasse. Strangstrom gegen Wechselrichtergrenzen prüfen.
HJT-Module sind von Natur aus bifazial (80–90 %). Bei Bodenaufständerung rückseitigen Stromgewinn berücksichtigen.
In milden Klimazonen (5–35°C) kann der Unterschied weniger als ein Modul betragen.
IEC 62548: Modul mit 0–3 % Toleranz kann 3 % höhere Voc haben. Immer Voc × 1,03 × Temperaturfaktor.
Immer mit Datenblatt prüfen
Perowskit-Silizium-Tandemzellen haben im Labor über 33 % Wirkungsgrad erreicht.
Der Tandem-Ansatz funktioniert besonders gut mit HJT dank Niedertemperatur-Beschichtung.
Tandemzellen würden weniger Module pro Strang erfordern. Temperaturkoeffizienten sind vielversprechend.
Meist ja, besonders bei kalten Wintern. Niedrigerer TcVoc erlaubt zusätzliche Module im Strang.
Ja. Bei 65°C behält HJT ~90,4 % STC-Leistung vs. ~88,4 % bei TOPCon.
String-Dimensionierung allein selten. Kombiniert mit Degradation (0,3 %/Jahr), Wärmeleistung und 30-Jahr-Garantie oft ja.
TcVoc: −0,23 bis −0,25 %/°C, TcPmax: −0,24 bis −0,27 %/°C. Beste Werte aller Si-Technologien.
Huasun, REC Group, Meyer Burger, Risen Energy, LONGi. Panasonic war Pionier (HIT).
Funktioniert überall, aber String-Vorteil in Kälte am größten. Geringerer Spannungsanstieg bei −20°C.
Niemals mischen. Separate MPPT-Eingänge verwenden.
Keine speziellen Wechselrichter nötig. Geringere Spannungsschwankung erlaubt ggf. mehr Module pro MPPT-Eingang.
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